Ich bin halt ein bißchen asozial – Na und?

Ich bin nicht gern unter Menschen. Meist bin ich eigentlich viel lieber allein.
Menschen sind anstrengend für mich. Und ich gestehe, nicht selten sind sogar Freunde anstrengend für mich. Nicht, dass das jetzt jemand falsch versteht. Ich bin gerne mit Freunden zusammen. Aber eben „wohldosiert“.

Ja, ich bin gewissermaßen ein bißchen asozial. Im wortwörtlichen Sinne.

Geburtstagseinladungen zum Beispiel. Das ist immer so eine Sache. Meist freue ich mich sehr, wenn ich eingeladen wurde, aber wenn ich dann auf der Feier bin und die ganze Bude ist voller Menschen von denen ich mindestens die Hälfte nicht kenne, dann fange ich an, mich sehr unwohl zu fühlen. Gefühlte eine Million Reize die auf mich einprasseln, die mein Hirn verarbeiten muss und damit schnell überfordert ist. Noch kritischer wird es, wenn der Ort der Feier sich außerhalb der Reichweite des HVV (dem Hamburger ÖPNV) befindet, ich also dann dort übernachten muss, wenn ich nicht gerade auf ein oder fünf Bier verzichten möchte. Kein Rückzugsort. Nicht einfach mal spontan die Biege machen, weil mir alles zu viel wird …

Lass mich in Ruhe

Manchmal melde ich mich monate- oder sogar jahrlang nicht

Es gibt Menschen, die kommen sofort mit Fremden ins Gespräch, schließen schnell neue Kontakte – und können diese dann auch halten. Und dann gibt es so Leute wie mich. Ich kann das einfach nicht. Manchmal würde ich es gerne können.

Ich habe manchmal den Eindruck, in meinem Hirn (oder meinetwegen auch Herzen) ist nur Platz für eine bestimmte Anzahl an Menschen. Freunden. Beziehungen. Bekanntschaften. Was auch immer. Sobald diese Anzahl überschritten wird, bin ich überfordert. Dann ziehe ich mich zurück und muss mich regelrecht „erholen“.

Mein Freundeskreis ist überschaubar und das ist auch gut so. Es kommt auch vor, dass ich mit manchen Freunden monate-, manchmal sogar jahrelang keinen Kontakt habe. Wer mich lange kennt, der weiß das. Nicht jede Freundschaft übersteht das.

Es ist aber auch so, dass mir die paar Freunde, die ich habe, unheimlich wichtig sind (deswegen komme ich ja dann auch ihren Geburtstagseinladungen nach). Wenn ich jemandem erst einmal vertraue und ihn als Freund bezeichne, sinkt dadurch meist auch der Stressfaktor deutlich ab. Dann verkehrt sich auch meine sonst übliche Zurückhaltung gerne mal ins Gegenteil …
Aus solchen Freundschaften ziehe ich Kraft.

Aber es fällt mir eben wahnsinnig schwer, solche Freundschaften aufzubauen. Bzw. den Schritt – auf eine fremde Person zu – zu gehen, der möglicherweise irgendwann einmal zu einer Freundschaft führen könnte.

Angst und Überforderung

Und manchmal kotzt mich das auch einfach tierisch an!

Wenn ich geschäftlich auf irgendwelchen Seminaren oder Veranstaltungen unterwegs bin, bei denen es unter anderem auch darum geht, zu netzwerken, mögliche neue Kunden kennenzulernen, dann scheitere ich meist kläglich. Ich kann nicht auf die Leute zugehen, bzw. es kostet mich wahnsinnige Überwindung.

Wenn ich feiern gehen möchte – was ich an sich sehr gern tue! – geht das nicht einfach so. Zunächst einmal darf es kein Club oder keine Party sein, bei der man sich fühlt, wie eine Sardine in der Büchse: zu viele Menschen → Angst → Überforderung. Die optimale „Menschendichte“ ist dann erreicht, wenn ich die Arme ausstrecken kann, ohne jemanden dabei zu berühren.

Allein auf der Couch

Alleine weggehen ist auch so eine Sache. Führt ebenfalls schnell zu Angst und Überforderung. Idealerweise verabrede ich mich also mit zwei bis drei Freunden. Aber selbst, wenn ich das tue, ist das keine Garantie dafür, dass ich nicht doch noch am Samstagnachmittag spontan Muffensausen bekomme und den Abend dann doch lieber allein verbringe.

Mehrbettzimmer in Hostels … ein Graus! Lieber zelte ich irgendwo in der Wildnis ohne Strom und fließend Wasser. Dennoch lerne ich gern neue Leute kennen. Ich brauche dazu einfach eine möglichst reizarme Situation und die Möglichkeit, mich notfalls spontan zurückziehen zu können.

Tja, was soll ich sagen? Liebe Freunde, danke, dass ihr trotz meiner gelegentlichen sozialen Ausfälle immer noch da seid! Ich mag euch. <3

8 Kommentare

  1. Hallo Friede,
    Du sprichst mir aus der Seele – ich hab mich in deinem Artikel gleich wiedererkannt. Mir wird es schnell zu viel, wenn mehr als eine Hand voll Menschen aufeinander treffen. In Situationen mit bis zu 4-5 Leuten, die ich gut kenne, geht es ganz gut.
    Liebe Grüße
    Biene

  2. Ich versuche mich immer wieder für Leute zu interessieren und ihnen meine Aufmerksamkeit zu schenken. Manchmal wird es mir aber zu dumm und ich ziehe mich dann zurück. Ich finde das garnicht schlimm, man kann mir nicht nachsagen, ich könne mich nicht abgrenzen.
    Sich zurück ziehen finde ich gut zum reflektieren und nachdenken.

  3. Wie war das doch gleich…Immer, wenn mich jemand als „nicht gesellschaftsfähig“ bezeichnet, werfe ich einen Blick auf die Gesellschaft (tue ich eh ständig) und bin dann sehr erleichtert. Ich kann auf 99 von 100 Menschen, die mir über den Weg laufen, auch sehr gut verzichten. In der Disziplin bin ich prima.

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