Dieser Artikel wird dein Leben verändern!

Achtung, Achtung! Ab heute wird alles anders! Nichts bleibt, wie es war! Nach der Lektüre dieses Artikels wird dein Leben ein anderes sein!

Nein, Spaß beiseite.
Veränderung, das ist ein großes Wort und es beschäftigt mich gerade sehr. Der Dezember ist ja traditionell die Zeit für Rückblicke. Bei mir hat sich dieses Jahr – wieder einmal – viel verändert. Nicht so viel, wie in manch anderen Jahren, aber doch so einiges.

Die großen, wirklich umwälzenden Veränderungen brauchen Zeit

Im August habe ich mich selbstständig gemacht. Das war natürlich auch mit hohen Erwartungen verknüpft. Ich dachte „Jetzt wird alles anders!“ – und doch fühlte es sich oft wie Stillstand an. Erst jetzt, einige Monate später, stelle ich erste kleine Veränderungen an mir und meinem Leben fest. Und so ist es häufig. Wenn ich heute mein Leben Revue passieren lasse, gibt es nichtmal eine Handvoll Augenblicke, die die Macht hatten, mein Leben von jetzt auf gleich zu verändern. Die großen, wirklich umwälzenden Veränderungen brauchen Zeit. Dein Leben wird morgen kein anderes sein, nur weil du heute beschließt, es zu ändern. Vielleicht wird es sich auch in einer Woche oder einem Monat noch so anfühlen, als wäre alles beim alten.

In meinem Leben habe ich große Veränderungen immer erst im Nachhinein gespürt. Sie fanden meist still und heimlich statt.

Wenn sich dann nach ein paar Tagen noch keine spürbare Veränderung einstellt, bin ich zutiefst frustriert

Diese Erkenntnis muss ich mir immer wieder erneut vor Augen halten. Oft motiviert mich irgendetwas – ein Erlebnis, ein Buch, ein Gespräch, ein Film, vielleicht sogar nur ein Bild auf Instagram – eine Veränderung in meinem Leben vorzunehmen. Ich bin sofort Feuer und Flamme und denke „Ja! Weg mit dem alten, her mit dem neuen!“. Wenn sich dann nach ein paar Tagen noch keine spürbare Veränderung einstellt, bin ich zutiefst frustriert und frage mich, wieso es (scheinbar) alle anderen schaffen, ihr Leben zum Guten zu verändern und ich mich noch immer im alten Trott befinde.

Dabei weiß ich eigentlich, dass Veränderungen meist keine überwältigenden Aha-Momente sind. Meist gibt es einen Auslöser und der arbeitet dann still und leise in mir, ohne, dass ich etwas davon merke. Und meist ist das, was sich dadurch letztlich verändert keine Umkrempelung um 180 Grad. Es sind eher Kleinigkeiten. Aber es sind Veränderungen. Und die nehme ich immer erst im Nachhinein war. Dann, wenn ich reflektiere.

Das erfordert manchmal auch Ausdauer und Geduld. Nicht von meinem Wunsch nach Veränderung abzulassen, weil sich die Veränderung nicht schon nach einer Woche einstellt.

Es ist ein bißchen wie mit dem Sonnenlicht. Es zeigt sich momentan nur selten. Würde man sich nun vorstellen, das Sonnenlicht sei ein Mensch, könnte man sagen, ab dem 21. Dezember fasst es – wie jedes Jahr – den Entschluss, sich wieder häufiger zu zeigen. Davon merkt man zunächst einmal gar nichts. Erst Wochen, Monate später merkt man, dass die Tage tatsächlich wieder länger geworden sind. Ihren Beginn hat diese Veränderung allerdings bereits am 21. Dezember genommen.

Veränderungen, die sehr schmerzhaft waren und die viel Zeit brauchten

Als ich vor gut zwölf Jahren in die Klinik ging, dachte ich, jetzt wird alles gut, mir wird geholfen, es wird mir bald besser gehen. Knapp drei Monate später wurde ich entlassen und es ging mir mindestens so schlecht, wie zuvor. Ich war extrem frustriert. Weitere Klinikaufenthalte folgten. Mein schlimmste Zeit sollte erst noch kommen.

Und dennoch stelle ich heute fest, dass damals viele kleine Veränderungen ihren Anfang nahmen. Es begann zu arbeiten in mir. Ich habe das damals nicht wahrgenommen. Im Gegenteil, die vielen kleinen Veränderungen, die gerade erst begonnen hatten, führten dazu, dass es mir zunächst deutlich schlechter ging. Sie führten sogar zu zwei Suizidversuchen. Und doch erinnere ich mich heute an Dinge, die verschiedene Therapeuten zu mir gesagt haben und merke erst jetzt, wie recht sie eigentlich hatten (nicht alle, aber die meisten 😉 ) und manches von dem, was sie mir gesagt haben ist mir auch heute noch in mancher Situation hilfreich. Sie haben mit ihren Worten Dinge in Bewegung gesetzt. Veränderungen, die sehr schmerzhaft waren und die viel Zeit brauchten. Viel Zeit auch, um überhaupt als Veränderung wahrgenommen zu werden.

Wenn ich heute die Summe all dieser Veränderungen betrachte, kann ich insgesamt durchaus sagen, ich habe eine 180-Grad-Wendung vollzogen. Aber eben eine, die viele Jahre gedauert hat und die viel Beharrlichkeit, Kraft und Ausdauer gekostet hat.

Ich muss mir das immer wieder vor Augen halten, wenn ich in meinem jetzigen Leben wieder mal frustriert bin, weil sich Veränderungen nicht schon nach ein paar Tagen einstellen. Wichtig ist es, die Entscheidung zu treffen. Was auch immer man ändern möchte, alles beginnt mit einer Entscheidung. Und danach braucht es Ausdauer. Das ist der eigentlich schwierige Teil. Dranzubleiben. Weiter an der Veränderung zu arbeiten, auch, wenn man sie (noch) nicht spürt.

Ich hab diese Ausdauer nicht immer. Aber immer, wenn ich sie habe, ist das belohnt worden. Wenn auch manchmal erst Jahre später.


Wie nehmt ihr die Veränderungen in eurem Leben wahr? Passierten sie schnell? Oder brauchten sie auch Zeit? Schreibt es mir in die Kommentare! 🙂

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