Gastbeitrag: Raphaels Geschichte

Eigentlich bin ich sehr behütet aufgewachsen. Meine Eltern haben ihr Bestes gegeben, wir hatten ein nettes Haus in einem kleinen Dorf. Eigentlich war alles super. Bis auf dieses ADHS und dass ich irgendwie nicht wirklich Freunde hatte.

Als Klassenclown war ich bereit alles zu tun für Aufmerksamkeit, was mir viele schöne Gespräche mit Eltern, Lehrern und dem Direktor verschafft hat. Wenn es dann aber darum ging wer mich angestiftet hat, stand niemand hinter mir. Ich war allein. Ich habe zuhause irgendwann auch aufgehört Zeit mit meiner Familie zu verbringen und habe mich völlig abgekapselt.

Ich habe Freundschaften ausgenutzt und mich immer mehr und mehr gehasst.

Jeden Abend wenn das Ritalin aufgehört hatte zu wirken fingen die leichten Depressionen an. Ich war traurig, einsam, viel zu Stolz zu weinen oder mich irgendjemandem zu öffnen. Die leichten Depressionen wurden immer stärker und ich fing an mich zu ritzen.

Ich hatte in der Zwischenzeit einen Freundeskreis aufgebaut in dem ich mich immer sehr lässig gegeben habe. Ich glaube niemand wusste wirklich über meine inneren Gefühle und meinen Selbsthass. Ich wollte auch nicht darüber sprechen. Ich habe alles in mich hineingefressen und nicht einmal mit meiner Freundin darüber gesprochen.

Eigentlich wurde es trotz Freunden und Freundin immer nur schlimmer. Ich habe mich mehr und mehr selbst verletzt, immer öfter über Suizid nachgedacht und angefangen gute Freunde zu manipulieren. Ich habe Freundschaften ausgenutzt und mich immer mehr und mehr gehasst.

Der Glaube hat mir immer Hoffnung gegeben

raphaelNach vielen Jahren von Selbstverletzung, Selbsthass, Angst vor Einsamkeit, haben sich einige Dinge geändert. Ich bekam die Möglichkeit in meiner Kirche eine Gruppe von Jugendlichen zu leiten, unter der Bedingung, dass ich mich um mich selbst kümmere. Ich wurde an einen Seelsorger empfohlen und konnte mich dort öffnen.

Der größte Teil war meine Geschichte zu erzählen. Einfach einmal jemandem zu sagen, wie ich mich fühle und, soweit ich das nachvollziehen konnte, auch wieso. Wir haben zusammen zu Jesus gebetet. Ohne Gebet, Jesus und die Kirche wäre ich nicht dort wo ich heute bin. Der Glaube hat mir immer Hoffnung gegeben, Gebet die Gewissheit, dass ich nicht alleine bin. Meine Kirche ist ein Ort an dem ich viele Freunde gefunden habe, die mich ermutigt haben, die für mich da waren. Mir wurde Verantwortung zugetraut und ich darf einige Jugendliche leiten und sie ermutigen sich zu öffnen und ihre Geschichte zu erzählen.

„Worauf wartest du?“

Ein guter Freund aus meiner Kirche hat mich Juli 2016 gefragt was mein größter Traum ist. Ich sagte, dass ich anderen Menschen helfen möchte, die etwas Ähnliches erlebt haben wie ich. Er hat mir eigentlich einfach nur gesagt: „Worauf wartest du?“ Zwei Wochen später habe ich die Facebookseite und den Blog The Ocean In Your Mind gestartet und ermutige dort Menschen die mit Depressionen, Selbsthass, Angst und Süchten kämpfen ihre Geschichte zu erzählen und neue Hoffnung zu haben.

Wenn du mit Depressionen kämpfst, mit Selbstverletzung, oder sogar Suizidgedanken, lass mich dir sagen: Du bist nicht allein! Es gibt Hoffnung, das ist noch nicht das Ende! Du bist eine wunderbare Person!


Diesen Beitrag hat Raphael geschrieben.

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