Ich bin nicht traurig. Ich bin depressiv.

Ich würde gern regelmäßiger schreiben. Im Moment ist das schwierig. Zum Schreiben muss ich in einer gewissen Stimmung sein. Oder, um genau zu sein, ich muss überhaupt in irgendeiner Stimmung sein, ganz egal in welcher. Eines der Dinge, die Depressionen ausmachen, ist nämlich die gelegentliche Abwesenheit jeglicher Stimmung.

Es ist ein Irrglaube, dass Depressive immerzu tieftraurig und betrübt sind.
Oft fühlen sie einfach gar nichts.

Und das ist meist noch viel schwieriger zu ertragen, als das Gefühl von Traurigkeit oder Verzweiflung!

Bei mir stellt sich dieses „Nicht-Gefühl“ oft ein, wenn ich Stress habe. In den letzten Tagen und Wochen habe ich mich um viele Dinge kümmern müssen. Positive sowie negative. Ich hatte viel Papierkram zu erledigen. Sich selbstständig zu machen ist mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden. Vor zwei Tagen war mein letzter Arbeitstag als Angestellte. Das war ein tolles Gefühl! Aber gleichzeitig habe ich Existenzängste.

Wenn zu viel in meinem Kopf herumschwirrt, zu viele Dinge, zu viele Gefühle, dann schaltet mein Kopf einfach ab. Dann sind alle Gefühle verstummt, wie bei einem Fernseher, bei dem man den Ton ausstellt. Dann ist plötzlich nur noch Leere da.

Diese Leere ist lähmend. Sie verhindert, dass ich die Wohnung verlasse, manchmal gar das Bett. Sie verhindert zwischenmenschlichen Kontakt.

Sie reduziert meine grundlegenden Bedürfnisse auf ein Minimum. Zum Überleben ausreichend.

Das ist die vielzitierte Abwärtsspirale. Wenn man einmal in diesem Zustand ist, ist es schwierig, wieder raus zu kommen, denn man fühlt sich, wie gesagt, gelähmt. Und je länger man darin verharrt, desto schwieriger wird es. Allerdings sollte man auch keinen blinden Aktionismus betreiben, nur um schnell wieder in den „Normalzustand“ zu kommen.

derguteplan

Ich verstehe diese Reaktion meines Gehirns mittlerweile als Signal meines Körpers. Als Aufforderung, wieder mehr auf mich zu achten. Gut zu mir zu sein. Mir nicht zu viele Baustellen auf einmal zu schaffen. Den Fokus wieder auf die wichtigen Dinge zu lenken.

Mein Kopf schaltet einfach den Ton aus, damit ich mich selber wieder hören kann. Deshalb ist es manchmal gar nicht verkehrt, die Leere einfach mal anzunehmen.

Wer sagt denn, dass ich immer gut gelaunt, schlecht gelaunt, irgendwie gelaunt sein muss? Manchmal möchte ich mich einfach zurückziehen, nichts und niemanden sehen und das ist auch okay so. Und wenn ich diesen Zustand annehme und mich nicht dafür verurteile, lässt die „Lähmung“ nach ein paar Tagen oft von ganz alleine nach. Oft. Nicht immer.

2 Kommentare

  1. liebe friede, danke für diesen wunderbaren artikel:) das stimmt, einfach akzeptieren, annehmen ist oft das wichtigste. es bringt nichts sich fertig zu machen, wenn man in irgendeiner weise fühlt oder eben nicht fühlt. annehmen. in die stille gehen, auch dieses gefühl ausnutzen, um dinge zu „erreichen“ und wenn es nur ist, dass man sich mal zuhause einmummelt um wieder neue kraft zu tanken.
    hast du schon mal probiert, meditation oder yoga zu machen?
    alles liebe lisa

    1. Hey Lisa, vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂
      Ja, mit Yoga habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Mache es nur leider zu unregelmäßig … Ansonsten hab ich vor kurzem wieder mit autogenem Training angefangen. Hab das vor Jahren mal gemacht. Das ist tatsächlich sehr hilfreich!
      Liebe Grüße,
      Friede

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