Wie du es schaffst, endlich deine Antidepressiva abzusetzen

Nachdem ich letztes Jahr im September über meine Erfahrungen mit Psychopharmaka berichtete, schrieb mich kurz darauf Melanie von Der Achtsame Weg an und erzählte mir, dass sie sich zusammen mit Mischa von Adios Angst sehr intensiv mit dem Thema „Antidepressiva absetzen“ auseinandergesetzt habe und daraus letztlich ein Buch mit eben diesem Titel – „Antidepressiva absetzen“ – entstanden ist.

Damit war natürlich mein Interesse geweckt. Ich habe viele Bücher und Berichte über Depression und Psychotherapie gelesen. Auch manche Artikel, die sich mit Psychopharmaka befassten. Aber ein Buch, das sich damit beschäftigt, Antidepressiva wieder abzusetzen, das ist mir bisher noch nicht untergekommen. Generell scheint dieses Thema eher ein Schattendasein zu führen. Zu sagen, man leide unter einer psychischen Erkrankung, man sei in Therapie oder auch man nehme Medikamente gegen die Depressionen, all das ist zwar oft noch immer schwierig, aber es ist bei weitem nicht mehr so ein großes Tabu, wie es das noch vor 15 oder 20 Jahren gewesen sein mag. Zum Glück. Man muss sich heute nicht mehr verstecken. Die Gefahr, als „verrückt“ abgestempelt zu werden ist deutlich gesunken (aber noch immer vorhanden).

Aber wenn es darum geht, ein Antidepressivum wieder abzusetzen, findet man erschreckend wenig Information. Ich kenne viele Menschen, die Antidepressiva nehmen. Und viele von ihnen tun das schon seit Jahren. Ich selbst habe dreizehn Jahre lang Antidepressiva genommen. Die verschiedenen Psychiater (und auch Allgemeinmediziner) die mir in all den Jahren immer wieder bereitwillig Rezepte ausstellten, gingen oft auf meinen Wunsch, das Medikament abzusetzen oder zumindest zu reduzieren kaum bis gar nicht ein. Nur ganz am Anfang, als es noch darum ging, das passende Medikament zu finden, wurde mir erklärt, wie ich richtige absetze – nämlich ganz langsam über mehrere Wochen hinweg. Aber eben nur, um nach dem Absetzen direkt das nächste Medikament ausprobieren zu können.

Ein grundsätzliches Absetzen scheint nicht erwünscht zu sein. Logisch, mit diesen Medikamenten wird schließlich auch ein Heidengeld gemacht …

Und wenn man dann noch bedenkt, dass es meines Wissens nach bis heute keine Studien darüber gibt, wie sich eine Langzeiteinnahme von Psychopharmaka auf den Körper und die Psyche auswirken … Naja, lassen wir das.

Ich möchte mir und meiner Psyche die Chance geben, eine natürliche Ausgeglichenheit zu erlangen

Außer dem zähneknirschenden Hinweis, das Medikament nicht abrupt abzusetzen, sondern ganz langsam auszuschleichen, habe ich jedenfalls keinerlei ärztliche Hilfe bei meinen Absetzversuchen erhalten. Also habe ich es immer wieder alleine probiert. Was oft in die Hose ging.

Am Ende habe ich es aber doch geschafft. Ich habe zuerst meine Dosis reduziert und eineinhalb Jahre später angefangen, mein Antidepressivum ganz abzusetzen. Seit Oktober 2016 nehme ich nichts mehr und bin unglaublich stolz darauf. Zwar geht es mir schlechter seitdem, aber ich möchte mir und meiner Psyche dennoch die Chance geben, eine natürliche Ausgeglichenheit zu erlangen. Eine, die aus mir selbst kommt und nicht eine, die durch Zugabe nicht komplett erforschter Chemikalien erreicht wird. Außerdem genieße ich es, die Welt nicht mehr, wie durch einen Filter zu erleben. Ich nehme viel mehr wahr. Sowohl gute, als auch schlechte Dinge. Alles ist echt. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.

Konkrete Hilfestellungen

Aber zurück zum Buch.

Das Buch enthält unglaublich viele Informationen. Melanie und Mischa berichten von ihren eigenen Absetzerfahrungen, lassen aber auch Experten zu Wort kommen und geben wertvolle Tipps. So gibt es beispielsweise Interviews mit Psychologen und Psychiatern und ganz konkrete Hilfestellungen zur Vorbereitung, aber auch zum Absetzen selber. Auch die Angst vor dem Absetzen wird angesprochen. Man spürt das Herzblut, das die beiden Autoren – als selbst betroffene – in dieses Buch gesteckt haben und fühlt sich in seinem Wunsch, endlich ohne Medikamente zu leben, ernstgenommen und unterstützt. So ein Buch hätte ich mir schon vor Jahren gewünscht!

Mein Fazit: Das Buch „Antidepressiva absetzen“ informiert umfassend und gibt ganz konkrete Tipps, die einem das Absetzen erleichtern. Deshalb kann ich es uneingeschränkt jedem empfehlen, der wirklich dauerhaft ohne Antidepressiva leben möchte.


Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Absetzen von Antidepressiva gemacht? Erzählt mir gerne in einem Kommentar oder einer Mail davon!


Bilder: PEXELS und Unsplash. Dieser Artikel enthält Affiliate-Links.

Kommentar verfassen